Rede von M. Havet
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Schäfer, sehr geehrter Herr Oberstudiendirektor Reinfelder, liebe Kolleginnen und Schüler,
Es ist uns zugleich eine besondere Ehre und eine echte Freude, von Ihnen, Frau Bürgermeisterin Schäfer, empfangen zu werden. Dafür möchte ich mich sofort im Namen der hier anwesenden französischen Gesellschaft bei Ihnen und bei Frau Martin, die diesen Empfang erwirken konnte, recht herzlich bedanken.
Wie sie vielleicht wissen, haben unsere Städte etwas Gemeinsames, obwohl Villeneuve d'Ascq - wie ihr Name es hervorhebt- eine Neustadt ist, die nächstes Jahr ihr 40. Bestehen feiert. Als sie gegründet worden ist, wollten die damaligen Einwohner den Namen des Dorfes Ascq nicht vergessen. Dieser Name war nämlich nicht von der beginnenden Geschichte der Stadt wegzudenken, denn das Dorf wurde im April 1944 zu einem Märtyrerdorf, nachdem 86 Dorfbewohner von Mitgliedern der Hitlerjugend erschossen wurden. Auch Würzburg sollte dem Krieg ein hoher Tribut zahlen, als die Allierten im März 1945 die Stadt zerbombt und so viele Opfer gefordert haben.
Gerade deswegen hat Würzburg in der Nachkriegszeit viele Städtepartnerschaften geschlossen, unter anderen mit der französischen Stadt Caen. Ihrerseits hat V.A. seit einigen Jahren auch eine Partnerschaft mit Leverkusen. Nur auf freundschaftlichen Beziehungen zwischen den ehemaligen Feinden konnte der Frieden in Europa gesichert werden.
Auf dieser Grundlage sind also viele Städte- und Schulpartnerschaften zwischen Frankreich und Deutschland entstanden. Die unsere ist nur ein Bestandteil dieses großen Vorhabens.
Der diesjährige Austausch zwischen dem R.G. und dem Lycée St Adrien ist der zwanzigste. Als ich im Frühling 1990 einen Antrag auf eine Partnerschaft mit einer deutschen Schule stellte, war es für mich ein Sprung ins Ungewisse. Ob eine Schule diesem Antrag Folge leisten würde, war nämlich unsicher, denn Nordfrankreich war damals nicht so attraktiv wie heute und genoss keinen so guten Ruf wie Paris, viele Städte in Südfrankreich, ja das Elsaß.
Um so größer war meine Überraschung, als ich im Mai 1990 einen Brief erhielt von der viel zu früh verstorbenen Frau Blumberg, die zu jener Zeit Fachleiterin für Französisch am RGW. war.
Ihr ist zu verdanken, dass der erste Austausch im Oktober 1990 stattfand. Dieser Austausch wurde aber aus dienstlichen Gründen von Frau Pfister, der heutigen Fachleiterin für Französisch, geleitet.
Im Mai 1993 haben wir unsere Schulpartnerschaft in Würzburg und im Oktober desselben Jahres in V.A. feierlich eingeweiht. Die damaligen Schulleiter, Herr Ostd. Winter und Herr Deleersnyder, hatten zu diesen Anlässen die Fahrt ins Nachbarland unternommen.
In diesen nun bald 20 Jahren haben circa 800 Jugendliche auf beiden Seiten an den Austauschprogrammen teilgenommen. Wenn wir noch die vielen Freunde der Austauschpartner hinzuzählen, haben sich wahrscheinlich über 1000 französische und deutsche Jugendliche kennen gelernt. Einige von euch unterhalten noch heute Beziehungen zum ehemaligen Austauschpartner, der im Laufe der Zeit ein Freund bzw. eine Freundin geworden ist.
Von Freundschaft dürfen wir auch in den meisten Fällen sprechen, wenn es sich um Austauschleiter und Begleiter handelt. Die 38 Lehrkräfte, die die Austauschprogramme mitgemacht haben, konnten tatsächlich bei Kollegen in beiden Ländern Unterkunft finden, oft das Familenleben der Gastfamilen teilen und in einigen Fällen sogar den deutschen bzw. französischen Freund in einem anderen Rahmen besuchen.
Was mich anbelangt, komme ich mir hier in Würburg wie daheim vor. Das Wort « Gastfreundschaft » steht bei meinen deutschen Freunden immer groß geschrieben. Dafür und für ihr stetes Bemühen bei der Planung und um die Lösung von vielen Problemen seien sie alle, aber insbesondere Frau Hampel und Frau Martin, die den Austausch dieses Jahr leiten, herzlichst gedankt.
Gestatten Sie, dass ich zum Schluss einen Wunsch anlässlich unseres 20. Jubiläums äußere: möge unsere Schulpartnerschaft mindestens so lange weiter bestehen und viele weitere Jubiläen feiern!
PHILIPPE HAVET