Hans Klaffl
„40 Jahre Ferien - Ein Lehrer packt ein...“
Am Röntgen-Gymnasium haben Schüler, Lehrer und Eltern gut lachen –
zumindest galt dies für die versammelte Schulfamilie am Sonntag, den 21.
November im Bockshorn: Kabarettist Han's Klaffl, eigentlich
Musiklehrer, ging in seinem Soloprogramm den meistverbreiteten Klischees
über die Zunft der Pädagogen auf den Grund und bediente in einem
Rundumschlag alle am Schulbetrieb Beteiligten: Lehrer, Schüler,
Direktoren und Eltern.
Mit Klavier und Kontrabass hielt Klaffl eine
Doppelstunde Frontalunterricht, nach der keine Fragen mehr offen blieben
und in der das „Fach-Publikum“ immer wieder zu Lachsalven und viel
Applaus hingerissen wurde.
Einen besonderen Dank sagen wir Herrn Repiscus, dem Betreiber des Bockshorns, der uns bei der Planung und Organisation sehr kooperativ entgegenkam. So konnte die Vortragsreihe Röntgen-Bilder in unserem Jubiläumsjahr einen originellen und gelungenen Abschluss finden.
K. Gerlach
Infektionen im Zeitalter der Globalisierung
Den letzten Vortrag in unserer Vortragsreihe „Röntgen-Bilder“ hielt Prof. Dr. Jörg Hacker zum Thema „Infektionen im Zeitalter der Globalisierung“ Der Biologe ist ehemaliger Präsident des Robert-Koch-Institutes und seit 2010 ist er Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands „Leopoldina“.
Seinen Vortrag begann Prof. Hacker mit der Darstellung, dass der Mensch aus 10 Billionen Zellen besteht und dass sich zehnmal so viele Keime, Bakterien und Viren auf dem menschlichen Körper befinden. Sogenannte pathogene Keime lösen schon bei geringer Anzahl eine Infektion aus. Weltweit sterben 30% der Erkrankten an Infektionen, vor allem an Atemweginfektionen, AIDS/HIV, Durchfallerkrankungen und Tuberkulose.
Eine Infektionserkrankung, die zuerst im 14. Jahrhundert auftrat, ist die Pest. Der Pesterreger Yersinia pesitis wird über den Rattenfloh und die Ratte übertragen. Durch den Atem kann man sich mit dem „Schwarzen Tod“ anstecken. Heute grassiert die Pest immer noch in Nord- und Südamerika, Afrika und Asien. Bekämpfen kann man sie durch Patientenisolierung, Impfungen und Antibiotika.
Anschließend sprach Prof. Hacker über eine weitere viral übertragbare Krankheit, die Influenza. Dazu zählt auch die Neue Grippe. Sie erlangte im Jahr 2009 besondere Aufmerksamkeit. Diese Krankheit wird durch das H1N1 Virus übertragen. Im Oktober/November 2009 wurden allein innerhalb Deutschlands 40 000 Fälle bekannt. Das Erbgut weist erstaunlicherweise Parallelen zu dem Auslöser der Spanischen Grippe (1918/19) auf. Das besondere an diesem Virentyp ist, dass sich Erbsegmente austauschen können, wodurch es immer neue Infektionserreger gibt, an die anschließend der Impfstoff angepasst werden muss. Als Präventionsmaßnahme ist vor allem Hygiene sehr wichtig. Außerdem tragen Desinfektion sowie Impfung zur Infektionsvermeidung bei. Die Impfung wurde im Jahr 2009 von 10% der Deutschen Bevölkerung wahrgenommen, allerdings muss man sich jedes Jahr aufs Neue impfen lassen, da sich das Erbgut des Erregers verändert.
Neben der Influenza gibt es auch noch die Nosokomiale Infektion, die auch unter dem Namen „Krankenhausinfektion“ bekannt ist. Pro Jahr erkranken in Deutschland eine halbe Millionen Menschen, wobei ein Drittel davon vermeidbar wäre. Die Krankheit wird durch Atemwegsinfektionen sowie Harnwegsinfektionen übertragen. Die Mikroorganismen zeichnen sich durch ihre Haftfaktoren zum Festsetzen und ihr flexibles Erbmaterial aus. Außerdem enthalten sie Resistenzfaktoren gegen Antibiotika. Dieses Phänomen tritt überwiegend in Ländern auf, in denen Antibiotika leicht erhältlich sind. Zu verhindern ist die Krankheit durch sorgfältige Krankenhaushygiene und durch Desinfektionsmaßnahmen. Impfungen sind allerdings nur bedingt möglich.
Die Infektionen im Zeitalter der Globalisierung stehen vor neuen Herausforderungen. Vor allem der Klimawandel stellt ein besonderes Problem dar. Krankheitserreger, die bisher immer nur im Süden aufgetreten sind, werden sich in Zukunft mehr in Richtung Norden verbreiten. So kann es sein, dass das Denguefieber, eigentlich eine afrikanische Krankheit, auch in Europa auftritt. Eine weitere Gefahr liegt in der Migration und in der zunehmenden Reisetätigkeit, wodurch die Krankheiten schnell zu einem weltweiten Problem werden können. Zudem steigt die Lebenserwartung und man weiß nicht, wie sich Infektionen zum Beispiel in Altersheimen ausbreiten.
Einen möglichen Lösungsansatz bietet die Impfung. Impferfolge in den USA (1921), bei denen die Erkrankungsrate an Diphtherie von 206 939 auf 2 Erkrankungen gesenkt werden konnte, zeigen, dass dies ein möglicher Lösungsweg ist. Allerdings fehlen noch Impfstoffe gegen Malaria, AIDS, Tuberkulose und gegen die Schlafkrankheit. Außerdem ist die Entwicklung von neuen Antibiotika von großer Bedeutung. Große Hoffnungen werden auch in die synthetische Biologie gesetzt, damit man Erbsubstanzen verändern kann, was sich wiederum nützlich auf die Impfstoffe auswirkt.
Prof. Hackers Vortrag war so gestaltet, dass auch nicht auf das Themengebiet spezialisierte Zuhörer gut folgen konnten und viele Informationen erhielten. Die große Anzahl an Fragen, die im Anschluss an den Vortrag gestellt wurden, bewies das Interesse des aufmerksamen Publikums.
Wir danken Herrn Prof. Hacker für den sehr interessanten Vortrag.
Tamara Cöster und Maria Ellinger, K 13
Das Innere röntgen – Der Mensch im Blick von Naturwissenschaft und Religion
Dr. Schleissing kam als Beauftragter der evangelisch - lutherischen Landeskirche in Bayern zu uns von München nach Würzburg. Er führte uns an diesem Abend quer durch die Geistesgeschichte der Neuzeit und ihre unterschiedliche Bewertung des Menschen zwischen Innerlichkeit und technischer Verfügbarkeit.
Immer wenn das Innere des Menschen ausgeleuchtet werden soll, ruft das bei vielen Menschen Ängste hervor. Das war schon damals so, als C.W. Röntgen die nach ihm benannten Strahlen entdeckte und ist auch heute noch so, wenn ein Aufschrei durch die Medien geht, wenn an Flughäfen sogenannte Nacktscanner eingeführt werden sollen.
Es ist oft beobachtet worden, dass es in Deutschland einen besonderen Hang zur „Innerlichkeit“, eine besondere Wertschätzung des Denkens, der geistigen Bildung, der Versenkung und der Persönlichkeitsbildung gab und gibt. Das Eigentliche des Menschen, seine Persönlichkeit, das was ihn ausmacht, sei innerlich und nicht technisch verfügbar. Diese Hochschätzung der Innerlichkeit ging gleichzeitig einher mit einer Geringschätzung alles bloß Äußerlichen, Gemachten und Hergestellten. Eine Geringschätzung, die auch lange Zeit die Naturwissenschaften und Ingenieurleistungen miteinschloss, als Wissenschaften und Leistungen, die eben nur das Äußere, das Machbare und Herstellbare betrafen. Dieses Pathos der Innerlichkeit ist kulturgeschichtlich wohl in der Reformationszeit begründet, in Luthers Gegnerschaft gegen einen veräußerlichten, sakramentalen Glauben und eine Betonung der innerlichen Glaubensgewissheit und Freiheit.
Die Naturwissenschaften, die sich mit dem Menschen beschäftigen, können heute aufgrund ihrer immensen Fortschritte und Erfolge, gerade auch im Hinblick auf technische Eingriffsmöglichkeiten in das menschliche Leben, zunehmend die Deutungshoheit übernehmen über das, was der Mensch ist.
Der traditionellen Dualismus aber, so Dr. Schleissing, zwischen innerem und äußerem Menschen, zwischen Geist und Leib, zwischen Erleben und Beobachten ist überholt, ein Kampf um die Deutungshoheit zwischen Natur- und Geisteswissenschaften unnötig und höchst fragwürdig. Es geht vielmehr für die Theologie - wie für die ganze Geisteswissenschaft - darum, die Anfragen und Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Erforschung des Menschen als produktive Herausforderungen zu begreifen.
Aufgabe aller sei - es gerade im Angesicht der Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik - eine Kultur auszubilden, die uns zuversichtlich macht, dass wir die neuen Möglichkeiten in der Sichtbarmachung und Planbarkeit des Lebens auch in eine verantwortliche Lebensführung umsetzen. An zwei Beispielen, der Hirnforschung und der künstlichen Befruchtung, versuchte Herr Dr. Schleissing aufzuzeigen, dass sich daraus sowohl neue Lebenschancen als auch Probleme ergeben, die eben nicht naturwissenschaftlich, technisch lösbar sind. So kann die Pränataldiagnostik keine Antwort darauf geben, ob ein behinderte Kind leben soll oder nicht und die Möglichkeit der Leihmutterschaft gibt keine Antwort darauf, wie die komplexen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen biologischer und sozialer Elternschaft gelebt und gestaltet werden können.
Gerade in der biblischen Sicht des Menschen ist der Mensch immer als ganzer - als Leib und Seele - angesprochen und zur Verantwortung gerufen. Die „Gottesebenbildlichkeit“ des Menschen ist kein fixer Zustand sondern eine Bestimmung. Die Bestimmung des Menschen aber ist nicht naturwissenschaftlich aufhellbar, sondern muss in freier Verantwortung immer wieder neu gewonnen werden.
"Röntgen, Freud und Thomas Mann"
Was haben W.C. Röntgen, Sigmund Freud und Thomas Mann gemeinsam? – Auf den ersten Blick gar nichts. Der eine Nobelpreisträger für Physik, die anderen Psychoanalytiker und Schriftsteller.
Mit der Feststellung, dass diese Aufteilung in Natur- und Geisteswissenschaften längst überholt sei, begann Professor Riedel, Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur- und Ideengeschichte, Vizepräsident der Uni Würzburg, seinen Vortrag.
Dass diese drei Männer sehr wohl etwas gemeinsam haben, bewies er dann auch eindrucksvoll am Beispiel des Romans „Der Zauberberg“ von Thomas Mann.
Nachdem er den Inhalt kurz zusammengefasst hatte – junger Mann verbringt freiwillig 7 Jahre in einem Sanatorium und wird mit Krankheit und Tod , aber auch mit Liebe und Philosophie konfrontiert – ging er näher auf die Verbindungen zwischen den drei oben genannten Persönlichkeiten ein.
Dazu las er aus dem Kapitel, in dem der junge Hans Castorp die „Durchleuchtung“ eines Freundes mit Röntgenstrahlen beobachtet. Auch der junge Protagonist lässt seine Hand untersuchen und stellt bei der Betrachtung der eigenen Knochen fest, wie allgegenwärtig der Tod ist.
Eine weitere „Begegnung“ mit dem Tod hat der Protagonist später während eines Schneesturmes. Er schläft inmitten des Unwetters ein und kommt in Folge eines Alptraumes zu folgender Erkenntnis: „Der Mensch soll um der Güte und der Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken“
Die Wichtigkeit dieses Satzes, auch für den Autor selbst, unterstreicht er, indem er ihn als einzigen im ganzen Roman kursiv setzt.
Im Folgenden kam der Referent auf Freuds Psychoanalyse zu sprechen, indem er zuerst die Bedrohung thematisierte, die für viele Autoren von dieser Theorie ausging, da sie sich und ihr Talent „verkleinert“ sahen, und beschrieb den Zusammenhang zwischen dem physischen Durchleuchten mit Röntgenstrahlen und dem psychischen Durchleuchten mittels der Psychoanalyse. Auch Thomas Mann spielt in seinem Roman mit dieser Ähnlichkeit, als er den behandelnden Arzt vor der Röntgenuntersuchung sagen lässt: „Haben Sie keine Angst uns ihr Inneres zu zeigen“.
Doch vor allem durch die Figur des Dr. Krokowski, einer der Ärzte im Sanatorium, entsteht eine Verbindung zwischen Manns Werk und der Psychoanalyse, denn der Doktor erprobt Freuds Techniken gerne an seinen Patienten.
Nach Röntgenstrahlen und Psychoanalyse nannte Prof. Riedel den Okkultismus als letzte der drei „tragenden Säulen“ des Romans. Thomas Mann, der sowohl dem Okkultismus als auch dem Spiritismus (denn zwischen den beiden besteht ein Unterschied!) kritisch gegenüberstand, widmet ein ganzes Kapitel mit dem Titel „Fragwürdigstes“ der Schilderung von zwei spiritistischen Sitzungen, an denen Hans Castorp teilnimmt.
Damit schloss Professor Riedel seinen Vortrag, der dem Publikum eine ganz neue Sichtweise auf den „Zauberberg“ eröffnen konnte, die dem „normalen Leser“ so wohl nie aufgefallen wäre.
Carolina Kiermeier, K12
"Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier." (Ghandi)
Mit diesem Zitat eröffnete Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe, die in der Universität Würzburg, im Bereich für pharmazeutische Chemie tätig ist, ihren Vortrag über gefälschte Arzneimittel.
Die grundlegende Aufgabe von Arzneimitteln sollte eigentlich die Versorgung der Menschen sein, die auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Aber auch in dieser Branche gibt es schwarze Schafe, die die Not der kranken Menschen ausnutzen, um damit ihre Profitgier zu stillen. Dies erreichen sie durch Fälschungen von Arzneimitteln, die hauptsächlich in Asien kostengünstig hergestellt werden. Dabei wird weniger Wert auf eine gute Qualität gelegt. So werden die Pharmazeutika z.B. unter unreinen Produktionsbedingungen erzeugt.
Doch warum sollte uns das interessieren?
Durch Verschiffung gelangen diese Produkte nicht nur in die Entwicklungsländer, sondern auch zu uns.
Vorsichtig sollte man vor allem bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln sein, die leicht durch das Internet bezogen werden können. Zum einem gehören dazu die sogenannten Lifestyle-Medikamente wie Viagra, Schlankheitspillen und Mittel zum Muskelaufbau. Seit einigen Jahren geraten auch gefälschte Antibiotika und Schmerzmittel in Umlauf.
Dabei gibt es fünf verschiedene Möglichkeiten die Kunden zu täuschen, der harmloseste Weg ist, dass die Pharmazeutika gar keine Wirkstoffe enthalten. Doch die Medikamente können auch falsche, zu wenige oder Inhaltsstoffe von minderer Qualität aufweisen. In diesen Fällen sind die gesundheitlichen Schäden enorm und können auch zum Tode führen.
Aufsehen erregte vor allem der um die Welt gehende Heparin-Skandal. Heparin ist ein Arzneimittel, das zum Beispiel für die Dialyse benötigt wird, damit das Blut nicht gerinnt. In asiatischen Produktionsstätten standen nicht genügend Schweinedünndärme, aus denen das Heparin hergestellt wird, zur Verfügung und somit sahen die Hersteller keinen anderen Ausweg aus ihrer Misere als den Wirkstoff so sehr zu strecken, sodass seine Wirkung verloren ging. Dadurch starben hunderte Dialysepatienten in den USA, die auf diesen Wirkstoff angewiesen waren.
Genau solche Katastrophen versucht Ulrike Holzgrabe zu verhindern. Sie selbst beschreibt sich als eine „Detektivin“, die es als ihre Aufgabe sieht, gefälschte Arzneimittel zu entlarven und dadurch einen hohen Sicherheitsstandard in Deutschland zu gewährleisten. Allerdings ist ihr bewusst, dass es keine hundertprozentige Sicherheit vor gefälschten Arzneimitteln geben kann. Trotzdem sieht sie optimistisch in die Zukunft, da die WHO (World Health Organisation) künftig strenger gegen Profitgeier der Pharmaindustrie durchgreifen will.
Maria Ellinger, Lisa Schraud, Marina Wolz
Über Kampfgrinsen und Selbstgespräche
„Warum laufe ich 400m, um dorthin zukommen, wo ich jetzt schon bin?“
Das ist die Frage eines Profisprinters an den Referenten Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann, sportpsychologischer Betreuer vieler Profisportler und Nationalmannschaften.
Am vergangenen Donnerstag war der Diplompsychologe im Zuge der Vortragsreihe anlässlich des 100jährigen Jubiläums im RGW zu Gast. Mit viel Witz und Sachlichkeit führte er durch seinen Vortrag „Was Lehrer und Schüler von Hochleistungssportlern lernen können“.
In seinem Vortrag unterstrich er die Wichtigkeit des „Aufladens des eigenen Akkus“ durch ausreichend Schlaf und die regelmäßige Flucht in eine selbstgeschaffene Zweitwelt. Um nicht einem zu großen Alltagsstress ausgesetzt zu sein, solle man den Moment genießen, anstatt immer nur an die kommenden Aufgaben zu denken. Außerdem betonte er, dass für eine gewisse Alltagsmotivation verschiedene Faktoren wichtig sind. Zum Beispiel ist die Sicht auf die Dinge entscheidend, das heißt ob man die kommenden Aufgaben als Bedrohung oder als Herausforderung sieht. Ferner sollte man darauf achten, ob die Menschen, die einen umgeben, positiven oder negativen Einfluss auf einen selbst haben. Als kurzfristige Motivation schlug er vor, sich selbst gut zuzureden. Zur Stressbewältigung empfahl er sowohl für Schüler als auch für Lehrer, sich immer einem gewissen Grundstress auszusetzen, also nie über längere Zeit abzuschalten, wie es in den Schulferien bei Schülern häufig der Fall ist. Die Amplitude zwischen Schulstress und Alltag sollte für beide nicht zu groß sein. Durch das Simulieren von verschiedenen Stresssituationen gelingt es häufiger, diese im Ernstfall gut zu meistern. Für eine schnelle Aufhellung der Stimmung legte unser Gast dem Publikum das „Kampfgrinsen“ nahe, was heißen soll, dass man sich ca. 2 Minuten breit grinsend vor den Spiegel stellt. Wie Herr Hermann immer wieder betonte, sind Profisportler Menschen, die es hervorragend beherrschen, Stresssituationen zu meistern und die auch ganz bewusst regenerieren.
Am Ende des Abends ging ein gut amüsiertes und um einige Erfahrungen reicheres Publikum nach Hause oder verweilte zuvor noch bei einem Glas Wein in der Cafeteria.
Jan-Rico Anemüller, Robert Urban, Leander Wiesinger
Wenn zwei Intelligenzen sich treffen
Die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik aus der Sicht der Psychologie
Ein Leben ohne Technik, wie sie bei Computern, Autos oder Telefonen Anwendung findet, kann man sich heute kaum mehr vorstellen: Niemand würde heutzutage auf die Annehmlichkeiten, die die Technik mit sich bringt, verzichten wollen, wie OSTD Reinfelder nach der Begrüßung der ca. 100 Gäste feststellte. Trotzdem treten auch Probleme beim Umgang mit der Technik auf, die viele Menschen überfordern, wie z.B. bei der Benutzung von Computern.
Mit diesen beiden Aspekten der Technik setzt sich Prof. Dr. Hans-Peter Krueger vom Interdisziplinären Zentrum für Verkehrswissenschaften an der Universität Würzburg (IZVW, Psychologisches Institut) auseinander. Laut ihm ist es die zentrale Leistung der Intelligenz, sich Werkzeuge zu Nutze zu machen und die Technik ist eben dieses Werkzeug des Menschen. Die Ausprägung der Technik reicht dabei von einfachen technischen Anwendungen über komplexe Mechanik in mehreren Stufen der Automatisierung bis hin zur technischen Intelligenz. Dies kann man sich an der Entwicklung von Autos leicht verdeutlichen. Früher hatte der Fahrer über das Auto die volle Kontrolle über manuelle Steuerung. Der Autofahrer hat das Gas- oder Bremspedal betätigt und das Auto hat dementsprechend reagiert. Die erste Stufe der Automatisierung brachte des Antiblockiersystem (ABS) mit sich, das bei einem starken abbremsen die Räder einzeln jeweils so stark abbremst, dass der Bremsweg minimal ist. Ein weiterer Schritt der Automatisierung war der Einsatz des elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP), das ein mögliches Schleudern des Autos erkennt und dieses durch gezielte Bremseingriffe an den einzelnen Rädern verhindert. Die bisher höchste Stufe der Automatisierung zeigt die adaptive Geschwindigkeitsregelung (Adaptive Cruise Control, ACC). Bei diesem System muss der Fahrer nur noch die Höchstgeschwindigkeit angeben und das System passt automatisch die Geschwindigkeit über Gas- und Bremseingriff jeweils abhängig vom Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug an. Hier ist die Automatisierung bereits so weit fortgeschritten, dass der Fahrer nur noch zu lenken braucht.
Prof. Dr. Krueger arbeitet bereits an einer neuen Generation von Fahrerassistenzsystemen, bei der eine Erweiterung der Umfelderfassung und das selbstständige Verstehen von Verkehrssituationen angestrebt wird. Der Einsatz solcher Assistenzsysteme ist von unschätzbarem Wert: Durch den Einsatz von ESP konnte die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle um 30% reduziert werden. Probleme mit Assistenzsystemen entstehen hauptsächlich bei Systemgrenzen und –fehlern. Der Grund dafür, dass trotz aller Assistenzsysteme nach wie vor viele Autounfälle passieren liegt darin, dass Autofahren meist keine Herausforderungen, manchmal aber sehr gefährliche Situationen mit sich bringt, denen der Fahrer dann nicht gewachsen ist. Wie Prof. Dr. Krueger sagt, ist es ein Grundsatz , dass der Mensch motorisch tätig sein will, um auch geistig aufmerksam sein zu können. Durch die Automatisierung wird somit die Aufmerksamkeit des Fahrers gesenkt, was eine Ursache für Unfälle trotz aller Assistenzsysteme ist.
Auch in anderen Bereichen wird durch den vermehrten Einsatz von Technik die kognitive von der motorischen Tätigkeit getrennt, die Folge ist eine Zunahme der Fehlerzahl bei der Bedienung. Es stellt sich also immer wieder die Frage, wie die jeweilige technische Anwendung auf den Bediener ausgerichtet sein muss, damit beide zusammen den maximalen Erfolg erzielen.
Nach dem interessanten und unterhaltsamen Vortrag stand Prof. Dr. Krueger noch für Fragen zu Verfügung, während die Besucher die Möglichkeit hatten, den Abend in der Cafeteria gemütlich ausklingen zu lassen.
Lesung von Charlotte Kerner
Thema der Lesung war ihr neues Werk „ Die nächste GENeration“, das, so wie auch die Gestaltung der gesamten Lesung, eine interessante Mischung von wissenschaftlichen Informationen und bewegenden Kurzgeschichten ist. Im Gegensatz zu ihrem Erfolgsroman „Blueprint“ legte Charlotte Kerner in „Die nächste GENeration“ das Augenmerk besonders auf die biomedizinischen Aspekte, den Menschen in seiner DNA zu verändern, um ihm zum Beispiel das ewige Leben zu ermöglichen.
Mit viel Witz und Charme wagte sich Frau Kerner in ihrer Lesung an das sensible Thema der Biogenetik, wobei sie immer wieder betonte, dass das, was für uns heute noch „Science Fiction“ ist, schon bald Realität werden könnte. Zur Verdeutlichung der möglichen Folgen trug sie die Kurzgeschichte „Dämmerung“ aus ihrem neuen Buch vor. Diese handelt von Moses, einem weißen Jungen, der durch ein sogenanntes „SchwarzWeiß-Produkt“ pränatal von seinen schwarzen Eltern die genetische Anlage für weiße Hautfarbe eingepflanzt bekam. Seine Mutter hatte sich immer ein weißes Kind gewünscht, da sie als Schwarze unter der Rassendiskriminierung leiden musste. So konnte Moses als weißer, hoch intelligenter Junge aufwachsen und erfolgreich werden. Da das „SchwarzWeiß-Produkt“ noch neu auf dem Markt war, weist es noch einige Fehler auf, die bei Moses sichtbar werden: Er wird plötzlich immer dunkler. Dies stürzt nicht nur den jungen Mann in eine Identitätskrise, sondern zerstört auch das Vertrauensverhältnis zu seiner Mutter, da sie durch ihre Einwirkung auf seine Gene sein gesamtes Leben vorbestimmen wollte.
Gebannt verfolgte das rund 140 Personen zählende Publikum diese und weitere Kurzgeschichten, die von Charlotte Kerner auch sehr ansprechend und mit erklärenden Kommentaren versehen, vorgetragen wurden. Man wurde sich einig, dass vieles, wie Frau Kerner sagte, heute schon „Faction“ ist. Ein kluger Neologismus aus Fakt und Fiction, der die fließenden Grenzen des Möglichen im Bereich der Gentechnik deutlich aufzeigt. Mit warmem Applaus zeigte das Publikum zum Schluss der Lesung, dass es mit dem Überziehen der ursprünglichen Redezeit Frau Kerners mehr als einverstanden war, und löcherte sie im Anschluss mit vielen Fragen, denen sie während des Signierens ihrer Bücher freundlich Rede und Antwort stand.
Laura Harth, LK D1
Gelungener Auftakt der „Röntgen-Bilder“!
Über 100 Zuhörer waren beim Beginn unserer Vortragsreihe „Röntgen-Bilder“ am 21.01.2010 in der Cafeteria: Professor Dr. Körner (Ludwig-Maximilians-Universität München) sprach über das Thema „Das realistische Erziehungsprinzip im Königreich Bayern“.
Wer eventuell einen langweiligen Vortrag erwartet hatte, wurde von der spritzigen, anspruchsvollen Art von Prof. Dr. Körner angenehm überrascht. Nach der Begrüßung und Einleitung durch OStD Reinfelder nahm der Vortragsredner die Anwesenden auf eine sehr informative und bildende Reise in das 19. Jahrhundert mit.
Bauten wie unsere Schule im Jahr 1910 stehen am vorläufigen Ende einer Entwicklung zwischen der Aufklärung in Bayern am Ende des 18. Jahrhunderts und dem Ersten Weltkrieg, in der es darum ging, ob sich das realistische gegen das humanistische Erziehungsprinzip überhaupt durchsetzen konnte. Verglichen mit diesem Streit seien laut Prof. Dr. Körner die derzeitigen Diskussionen über G8/G9, Pisa- und Bologna-Prozess eher harmlos. Wichtig war auch, dass es eine genuin bayerische Variante in dieser grundsätzlichen Debatte gab. Dabei stellte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die katholisch-konservative Mehrheit der Patriotenpartei im Landtag gegen die liberale Staatsregierung mit Kultusminister Lutz, so dass Für und Wider realistischer Bildung zum Spielball genereller politischer Richtungen wurde. Seltsam in diesem Zusammenhang die unbeabsichtigte Koalition: Ausgerechnet die katholischen Patrioten „koalierten“ hier mit Kaiser Wilhelms Deutschtümelei, wenn sie gemeinsam das realistische Prinzip durchsetzen wollten. Um 1900 zeigte sich allmählich ein gewisser Pragmatismus, indem jeweils Elemente des einen Prinzips in das andere integriert wurden: Deutsch und die Naturwissenschaften erhielten nun auch am humanistischen Gymnasium Stunden, ebenso wie zumindest Latein einem Teil der Schülerschaft an den Oberrealschulen angeboten werden konnte.
Die verschiedenen inhaltlichen Verwerfungen wurden mit markanten Zitaten für die Zuhörer schmackhaft gemacht. Die einhellige Meinung im sich anschließenden kleinen Empfang war, dass es ein rhetorisch und sprachlich sehr geschliffener Vortrag war, der die Messlatte nun für die folgenden Abende hoch gesetzt hat.
Garderobe und Catering wurde dankenswerterweise vom Geschichte-Leistungskurs der K12 unter OStR Angst übernommen. Dank auch an alle anderen, die diesen Abend mitgestaltet und ermöglicht haben!
Vortragsreihe "Röntgen-Bilder"
Das realistische Erziehungsprinzip im Königreich Bayern - Perspektiven einer schulpolitischen Grundsatzdebatte
Donnerstag, 21. Januar 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Hans-Michael Körner (Lehrstuhlinhaber für die Didaktik der Geschichte an der LMU München)
Die nächste GENeration. Science+Fiction
Mittwoch, 03. Februar 2010, 19.00 Uhr
Lesung von Charlotte Kerner
Wenn zwei Intelligenzen sich treffen - Die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik aus der Sicht der Psychologie
Mittwoch, 24. Februar 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Hans-Peter Krueger (Interdisziplinäres Zentrum für Verkehrswissenschaften an der Universität Würzburg, Psychologisches Institut)
Was Lehrer und Schüler von Hochleistungssportlern lernen können
Donnerstag, 25. März 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann (Sportpsychologe mehrerer Nationalmannschaften und Profiteams, Mitinhaber des Instituts für Sportpsychologie und Mentales Coaching GbR in Schwetzingen)
Gefälschte Arzneimittel - wie gefährlich sind sie?
Donnerstag, 15. April 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der Universität Würzburg
„Durchleuchten“ Röntgen, Freud und Thomas Mann
Donnerstag, 20. Mai 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Wolfgang Riedel (Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur- und Ideengeschichte Vizepräsident der Universität Würzburg)
Das Innere röntgen - Der Mensch im Blick von Naturwissenschaft und Religion
Donnerstag, 24. Juni 2010, 19.00 Uhr
Dr. Stephan Schleissing (Beauftragter für Naturwissenschaft und Technik der Evang. Luth. Kirche in Bayern, Geschäftsführer des Instituts Technik-Theologie-Naturwissenschaft an der LMU München)
Ist unser Bildungssystem zukunftsfähig? - Festrede zum Festakt im VCC
Samstag, 25. September 2010, 10.00 Uhr
Prof. Dr. Eberhard Umbach (Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie, bis 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Experimentelle Physik der Universität Würzburg)
Infektionen im Zeitalter der Globalisierung
Montag, 18. Oktober 2010, 19.00 Uhr
Prof. Dr. Jörg Hacker (Präsident des Robert-Koch-Instituts, Berlin)
„40 Jahre Ferien - Ein Lehrer packt ein...”
Sonntag, 21. November 2010, 17.00 Uhr
Kabarett im Bockshorn mit Han`s Klaffl















