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Eine Reise in die Vergangenheit

Jüdische Großfamilie Ackermann macht Station am Röntgen-Gymnasium

Familie AckermannAnlässlich der Goldenen Hochzeit von Joel und Ziva Ackermann unternahm die 18-köpfige Großfamilie aus Israel im Juli eine Reise zu ihren fränkischen Wurzeln. Dabei spielte das Schulgebäude am Sanderring 8 in Würzburg eine wichtige Rolle, denn der Vater von Joel Ackermann, Justin, besuchte dort in den 30er Jahren die Oberrealschule (heute: Röntgen-Gymnasium), welche er 1932 mit dem Abitur erfolgreich verließ. Oberstudiendirektor Reinfelder zeigte sich sehr erfreut, dass er im Jubiläumsjahr "100 Jahre Abitur am Sanderring" Nachfahren eines ehemaligen Schülers aus den Anfängen der Schulgeschichte des RGW willkommen heißen durfte. Als Erinnerung überreichte er Justins Sohn, Joel, ein Foto, das Justin mit Klassenkameraden zeigt.
Im Gespräch mit Schülern der 9. Klassen im Rahmen des englischsprachigen Geschichtsunterrichts berichtete die Schwiegertochter Ziva Ackermann über die Lebensgeschichte von Justin. Im Anschluss fand ein intensives Gespräch über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung während des Dritten Reiches statt. Vor allem Joel war beim anschließenden Rundgang durch das Schulgebäude sehr berührt.
Der Kontakt mit der Familie Ackermann kam durch Frau Cordula Kappner zustande. Sie erforscht seit Jahren die Geschichte jüdischer Familien im Landkreis Haßberge. Dabei stieß sie auch auf das Schicksal der Familie Ackermann in Aidhausen. Seit den 80er Jahren stand sie in Kontakt mit Justin, Joel und Ziva Ackermann, um zusammen mit ihren Kindern und Enkeln die fränkischen Wurzeln ihrer Familie nachzuvollziehen.
Abiturklasse 
9c 1932 mit Justin AckermannDie Großeltern von Joel betrieben einen Gemischtwarenladen in Aidhausen. Sie hatten drei Kinder, die Tochter Irma und die Söhne Herbert und Justin. Während Irma und Herbert in den Vernichtungslagern ums Leben kamen, gelang Justin in den 30er Jahren die Flucht nach Palästina. Seine Eltern Babette und Max konnten aus Geldmangel nicht nach Großbritannien emigrieren. Ihnen fehlten 400 Dollar zur Ausreise. So wurden sie am 22. April 1942 zusammen mit 43 jüdischen Mitbürgern des Haßbergkreises nach Würzburg gebracht, um von dort in die Gaskammern von Sobibor transportiert zu werden. Dort fanden alle, auch Max und Babette, den Tod.
Diese Deportation und die Geschichte der jüdischen Gemeinde Würzburgs waren Gegenstand der englischsprachigen Führung durch Dr. Baum. Seine engagierten Ausführungen beeindruckten die Gäste aus Israel.
Die Großfamilie Ackermann konnte durch ihren Besuch in Würzburg eine wichtige Station ihrer Familiengeschichte erleben und auch für die nachkommenden Generationen nachvollziehbar machen.
Justin Ackermann wurde 93 Jahre alt. Er verstarb 2005 in Tel Aviv. Sein Sohn Joel und dessen Frau Ziva waren von dem Aufenthalt in Deutschland so angetan, dass sie spontan zu der Stolpersteinverlegung und zu den Feierlichkeiten der 100-Jahrfeier im September kamen. Diese Besuche und der gefundene Kontakt geben ein beredtes Zeichen der gegenseitigen Verbundenheit und Freundschaft.


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