Geschichte der Informatik am RGW

Informatik ist eine relativ junge Wissenschaft und führte lange Zeit ein Schattendasein im Fächerspiegel des Gymnasiums. So fand man informationstechnische Lerninhalte im neunjährigen Gymnasium lediglich unter unverbindlichen Wahlpflichtgebieten im Mathematikunterricht der neunten und zehnten Jahrgangsstufe im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig und bei der mögliche Lehrplanalternative Informatik im Grundkurs Mathematik, sowie dem freiwilligen Grundkurs Informatik. Obwohl EDV- und Informatikkenntnisse im Alltag und Berufsleben inzwischen einen sehr großen Stellenwert eingenommen haben, verließen die meisten Schüler das Gymnasium ohne auch nur eine einzige Informatikstunde besuchen zu dürfen.

Das Röntgen-Gymnasium in Würzburg hat schon in dieser Zeit über das von den Lehrplänen geforderte Maß hinaus der Informatik einen hohen Stellenwert eingeräumt. So besitzen wir seit 1988 einen Computerraum, der für ein breites Angebot an Wahlkursen für die Mittelstufe genutzt wurde. Zunächst unterrichteten die Informatiklehrer dort aus heutiger Sicht antiquierte Programmiersprachen wie Basic und Turbo-Pascal, später der rasanten Entwicklung der Softwarewerkzeuge folgend, auch die objektorientierte Sprache C++. Natürlich konnten die Kollegiaten auch Informatik als Grundkurs wählen. Schon damals nutzten die Mathematik Computerprogramme zur Lernunterstützung im Unterricht und die Physik computerunterstützte Systeme zur Messung, Auswertung und Simulation von Experimenten.

Im Jahre 1995 wurde das ehemalige Sprachlabor zu einem Computerraum mit 18 Schüler- und einem Lehrerrechner umgebaut. Diese Windowsrechner waren bereits über ein Netzwerk und mit einem zentralen Server verbunden. Sechs Jahre später finanzierte die Stadt Würzburg als Sachaufwandsträger unserer Schule den „oberen Computerraum“ R305 im dritten Stockwerk mit modernem Mobiliar, welches eine ansprechende Sitzordnung ermöglicht und einem „Smart-Board“, d.h. einer elektronischer Tafel, mit der Kreide und Schwamm ins Reich der Vergangenheit geschickt wurden. Seitdem – zuletzt dieses Jahr im April - wird die Hard- und Software beider Computerräume regelmäßig auf einen modernen Stand gebracht. Mit dieser Ausstattung konnten nun auch zunehmend andere Fachschaften Lernsoftware einsetzen. So können beispielsweise unsere Schülerinnen und Schüler im Unterricht softwareunterstützt den sicheren Umgang mit den Vokabeln moderner Fremdsprachen üben.

Mit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums wurde auch der Fächerspiegel an die veränderten Gegebenheiten angepasst. So ist die Informatik Pflicht für alle Ausbildungsrichtungen in der sechsten und siebten Jahrgangsstufe im Rahmen des Natur-und-Technik-Unterrichts. Hier werden moderne und praxisbezogene Lerninhalte, wie der sinnvolle und sichere Umgang mit dem Internet, einschließlich der Erstellung eigener Homepages, vermittelt. In der neunten und zehnten Jahrgansstufe wurde für alle Schülerinnen und Schüler des naturwissenschaftlich-technischen Zweiges Informatik als eigenständiges Unterrichtsfach eingeführt. Hier werden ihnen für das Berufsleben unerlässliche Fertigkeiten, wie zum Beispiel der Umgang mit Tabellenkalkulationssystemen beigebracht. Weiterhin trainieren die Lernenden logisches und strukturiertes Denken, planvolles und lösungsorientiertes Vorgehen und exaktes Arbeiten. In der neuen Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums stehen gleich mehrere Informatikangebote zur Auswahl. Neben dem Wahlpflichtfach Informatik für Schülerinnen und Schüler des naturwissenschaftlich-technischen Gymnasiums, das anspruchsvolle Themen, die früher im Grundstudium Informatik an der Universität angesiedelt waren, auf Schulniveau vermittelt, wird auch für andere Ausbildungszweige am Röntgen-Gymnasium ein Kurs angeboten, der die wichtigsten Grundbegriffe der Informatik beinhaltet. Weiterhin kann ein P-Seminar Informatik an unserer Schule gewählt werden, in dem die Teilnehmer unabhängig von ihren Vorkenntnissen an einem Softwareprojekt für einen realen externen Auftraggeber mitarbeiten können und so modernes Arbeiten im Team erlernen, wie es in einem Unternehmen der freien Wirtschaft üblich ist.

Während andere Schulen häufig auf keinen einzigen ausgebildeten Informatiklehrer zurückgreifen können, schätzt sich das Röntgen-Gymnasium glücklich, gleich drei voll ausgebildete Informatiklehrer zur Verfügung zu haben. Doch nicht nur personell sondern auch technisch sind wir mit zwei hochmodernen, neuen Computerräumen weiterhin sehr gut ausgestattet.

Doch in der rasanten und kurzlebigen Entwicklung der Informatik ist das, was gestern „state-of-the-art“ war, in zwei Jahren Standard, in fünf Jahren veraltet und in zehn Jahren museumsreif.  Deshalb  stehen wir, sowohl was den Ausbau der informationstechnischen Infrastruktur, z.B. die Einrichtung lückenloser LAN- und WLAN-Netze und die Ausstattung aller Klassenzimmer mit Beamern angeht, als auch in pädagogischer und didaktischer Hinsicht bei der Vermittlung der teilweise äußerst anspruchsvollen Lerninhalte in dem Fach Informatik, vor immer wieder neuen Herausforderungen, die wir gerne angehen und meistern.

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