Röntgen-Bilder: „Durchleuchten“
20.05.2010 (19:00)
Röntgen, Freud und Thomas Mann
Prof. Dr. Wolfgang Riedel
Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur- und Ideengeschichte, Vizepräsident der Universität Würzburg
Wissenschaft und schöne Literatur sind keine gegeneinander abgeschotteten Welten, im Gegenteil: Sehr schnell werden neue Wissensformen und revolutionäre Erkenntnisse literarisch thematisiert und verarbeitet. So auch um 1900. Als eine Methode, Verborgenes – also Unsichtbares – sichtbar zu machen, löst die Röntgenstrahlung eine Faszination aus, die weit über die empirisch-physiologische Forschung hinausreicht und vom Spiritismus (Geisterphotographie) bis zur Psychoanalyse (Durchleuchtung des Unbewussten) als metaphorisches Modell dient. In seinem Großroman „Der Zauberberg“ (1924) macht Thomas Mann dies zu einem seiner zentralen Themen.